Über dir Anker, die uns zurückhalten – Unconcius Bias 2.0

Wussten Sie, dass Ihr Gehirn alle paar Sekunden mit 11 Millionen Bits an Informationen bombardiert wird, aber nur 40 Bits davon verarbeiten kann?* Um mit dieser
Informationsflut fertig zu werden, hat unser Gehirn auf der Grundlage unserer Erfahrung und unseres Hintergrunds Kategorien und Faustregeln entwickelt. Diese manövrieren uns durch den Alltag, lassen uns Entscheidungen und Meinungen treffen und mit anderen interagieren.

Auch wenn diese Kategorien und Regeln von Person zu Person unterschiedlich sein mögen, so haben wir doch alle gemeinsam, dass wir unbewusst voreingenommen sind

Besonders am Arbeitsplatz beeinflusst, ja schränkt dies sogar unsere Beziehungen ein, verstärkt Konflikte und mögliche Diskriminierung und verringert Innovation und Produktivität. Aus diesem Grund rückt das Thema Vielfalt – Diversity – immer mehr in den Mittelpunkt.

 

“Es ist nicht das, was Sie nicht wissen, dass Sie in Schwierigkeiten bringt. Es ist das, was Sie sicher wissen, dass einfach nicht so ist.” Josh Billings

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf das, was wir von der Neurophysiologie (Zimmermann, M., 1986*;  Hewlett, S.A., Rashid, R., & Sherbin, L., 2017), Sozialpsychologie (Greenwald, A.G., Banaji, M. R., 1995 /1998, und das implizite Projekt ), Evolutionstheorie (Frey U. & Frey J., 2011), Google und vom United Nations Leadership Coach Marilyn O’Hearne, lernen können, um uns unbewusste Voreingenommenheit -unconcious bias- bewusster zu machen.

Unbewusste Voreingenommenheit basiert auf vordefinierten Kategorien, Mustern oder Faustregeln, die auf eigenen Erfahrungen und Hintergründen beruhen. Dadurch bauen wir mit der Zeit bewusst eine verzerrte Wahrnehmung auf. Was zunächst negativ klingt, ist in Wirklichkeit ein sehr nützliches Relikt der Evolution, welches der menschlichen Spezies ein jahrtausendelanges Überleben ermöglichte (Frey U. & Frey J., 2011). Nicht nur in der Steinzeit, sondern auch heute sind dies sehr nützliche Mechanismen – bspw. sehr aufmerksam zu sein, wenn man allein in einer dunklen Gasse unterwegs ist. Leider halten uns diese durchaus nützlichen Anker aber auch davon ab, die reale Welt, wie sie sich heute entwickelt hat, zu sehen.

Von der unbewussten Voreingenommenheit zu bewussteren Entscheidungen

 

Um das Unbewusste bewusster zu machen, ist das Schaffen von Bewusstsein durch Reflexion, Hinterfragen des eigenen Verhaltens sowie die Betonung der Vielfalt entscheidend.

Um unsere unbewusste Voreingenommenheit bewusster zu machen, haben die Sozialpsychologen Greenwald & Banaji (1995/1998) den Impliziten Assoziationstest (IAT) entwickelt. Dieser dient als Selbsttest dazu, besser zu verstehen, welche impliziten Verbindungen oder Assoziationen unser Gehirn bereits als Konzept im Gedächtnis konstruiert hat und wie stark diese sind. Um ein Beispiel zu nennen: Ob Ihr Konzept oder Bild eines Wissenschaftlers eher mit einer männlichen oder weiblichen Person assoziiert ist, wird Sie unbewusst in ihrem Handeln beeinflussen. Banaji bestätigte des Weiteren, dass ein bewusster und entschleunigter Denkprozess das Bewusstsein für diese unbewussten Verbindungen und Vorurteile unterstützt.

Die Betonung des Faktors Diversity schafft weiteres Bewusstsein und unterstützt Produktivität und Innovation. Übrigens werden diverse Teams nicht besser, weil ein weiterer Mitwirkender hinzukommt, sondern weil Diversität sich auf die ganze Gruppe auswirkt – sie regt das Umdenken jedes Teammitglieds an.

 

In der Organisation ist das Schaffen eines Bewusstseins für unbewusste Voreingenommenheit vielfältig und wird besonders durch Diversitätsmanagement und Human Resources gefördert. Um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie dies aussehen kann, veröffentlichte Googles Personalmanagement 2015 ihr Training zur unbewussten Voreingenommenheit, das immer noch sehenswert ist.

 

Organisationen, ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können, werden die für die Zukunft benötigten Talente ggf. nicht sehen, solange sie durch die Anker der unbewussten Voreingenommenheit zurückgehalten werden.
Training und Aufklärung kann jedoch nur ein Anfang sein, denn die Entwicklung einer wirklich vielfältigen und vorurteilsfreien Arbeitsumgebung erfordert maßgeschneiderte Prozesse und eine bewusstere Denkweise – insbesondere von Führungskräften.

Deepdive:
Mit IMPACT gegen unbewusste Voreingenommenheit

MCC-Coach Marilyn O’Hearne, die Organisationen und Führungskräfte aus der ganzen Welt u.a. bei der Vereinten Nationen unterstützt, hat die Folgen unbewusster Voreingenommenheit erfahren und einen Sechs-Schritte-Ansatz – IMPACT – entwickelt. Hiermit sollen unbewusste Voreingenommenheit durch Coaching-Fragen bewusster gemacht werden und eine Grundlage für die Umsetzung mit Empathie geschaffen werden.

  • I steht für die Identifizierung unbewusster Voreingenommenheit (Identification)
  • M steht für das Managen des Umgangs mit unbewussten Verzerrungen (Managing)
  • P steht für den Plan zur Freisetzung Ihres Potenzials (Planning)
  • A steht für das bewusste und verantwortliche Handeln (Accountability)
  • C steht für selbstbewusste Kommunikation (Communication)
  • T steht für nachhaltige Bestandsaufnahme (Taking Stock) und Erfolgsreparatur.

Marilyns Motivation gründet auf den interkulturellen Situationen im privaten wie im beruflichen Umfeld als Executive Coach, wo sie mittels Coaching unterstützt. Zu wissen, dass 60-80% aller Schwierigkeiten in Organisationen auf Konflikte zwischen Mitarbeitern zurückzuführen sind und dass der Umgang mit solchen Konfliktsituationen derzeit 25-40% der Zeit unserer Führungskräfte in Anspruch nimmt, verlangt nach Taten – von uns allen!

Mehr insights in unserem exklusiven Interview with Marilyn O’Hearne hier.

Wie lässt sich die eigene unbewusste Voreingenommenheit (unconcious bias) reduzieren?

Lassen Sie uns zusammenfassen, was wir also tun können, um mit den Ankern umzugehen, die uns zurückhalten.

Hier finden Sie  praktische Tipps wie Sie heute anfangen können ihren unconcious bias zu reduzieren:

Geben Sie sich die Möglichkeit, sich ihrer Voreingenommenheit bewusst zu werden, indem Sie diese identifizieren. Erlauben Sie sich selbst diese so zu sehen, auch wenn es ihnen vielleicht nicht gefällt.

  1. Um sich Ihrer Voreingenommenheit bewusster zu werden, können Sie das implizite Harvard Bias Assessment nutzen. Sie können diesen allein und/oder mit Ihrem Team nutzen, um besser zu verstehen wo ihre Präferenzen herkommen.
  2. Überprüfen Sie Ihr Empathievermögen und das ihrer Mitmenschen (z.B. in Kaffeepausen, bei der nächsten Teambesprechung, bei Gesprächen nach der Arbeit oder in der Freizeit). Für Teams kann es auch interessant sein, sich mit einem Quiz spielerisch in diese Thematik einzuarbeiten.
  3. Reflektieren Sie regelmäßig Ihr Verhalten bei der Arbeit, wenn Sie mit anderen zusammenarbeiten; vor allem Führungskräfte sollten darüber nachdenken, wie sich mögliche Vorurteile auf sie / ihr Team / ihre Organisation auswirken? 

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre eigene Voreingenommenheit in den Griff zu bekommen: Jetzt wissen Sie, wo Ihre Anker sind, fangen Sie an diese bewusst zu managen. Überprüfen Sie Ihren Prozess und Ihre Routinen, indem Sie sich fragen: Kann ich hier über meine Voreingenommenheit hinausblicken? Sich aufs Einfühlungsvermögen zu konzentrieren, kann hier eine große Hilfe sein, wenn es darum geht, die Welt durch die Augen einer anderen Person mit einer anderen Perspektive oder einem anderen Hintergrund zu sehen. Coaching kann hier ein sehr wirksames Instrument sein, um Sie und Ihr Team zu unterstützen.

Schaffen Sie in Ihrem Team / und in Ihrer Umgebung mehr Bewusstsein über unbewusste Voreingenommenheit und unterstützen Sie sie dabei, die ihre zu verstehen. Wie werden Sie andere dabei unterstützen, ihre unbewusste Voreingenommenheit zu erkennen? Beginnen Sie damit, Ihre Teammitglieder zu coachen, indem Sie Empathie und Neugierde betonen. Als Führungskraft können Sie damit beginnen, für sich selbst zu definieren, wie ein gutes Beispiel aussieht, und dann danach zu handeln.

Reflektieren Sie und holen Sie regelmäßig Feedback ein. Teilen Sie ihren Gedankenprozess hinter Entscheidungen mit ihrem Team (insbesondere wenn Sie denken, dass dies doch bereits jeder wissen müsste) und fordern Sie sich selbst heraus, indem Sie mehr Zeit mit Menschen verbringen, die anders sind als Sie. 

1 Gedanke zu „Über dir Anker, die uns zurückhalten – Unconcius Bias 2.0“

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